Fetzen gehören für viele Turnerinnen und Turner zum Alltag am Reck, Stufenbarren und an den Ringen. Ganz vermeiden lassen sie sich nicht, aber mit gepflegter Hornhaut, dosiertem Magnesia und der richtigen Erstversorgung passieren sie seltener und heilen schneller. Hier erfährst du, wie Fetzen entstehen, was du sofort tun solltest und wie du im Training weitermachen kannst, ohne die Wunde immer wieder aufzureißen.
Was ist ein Fetzen?
„Fetzen“ ist der Turnbegriff für Haut, die sich durch Reibung an der Stange von der Handinnenfläche oder vom Daumen löst. Oft bildet sich zuerst eine Blase, die dann aufreißt. Manchmal ist nur die oberste Hornhautschicht betroffen, manchmal reißt die Haut tiefer ein und blutet.
Typische Ursachen sind:
- Reibung: Viele Schwünge und Griffwechsel belasten immer dieselben Stellen.
- Zu dicke oder raue Hornhaut: Wulstige Stellen bleiben an der Stange hängen und reißen leichter ein.
- Falsche Feuchtigkeit: Zu trockene Haut wird rissig, verschwitzte Haut erhöht die Reibung.
- Zu viel auf einmal: Lange Barreneinheiten, besonders nach einer Trainingspause, wenn die Haut die Belastung nicht mehr gewohnt ist.
Fetzen vorbeugen: 5 Dinge, die wirklich helfen
1. Hornhaut pflegen statt entfernen
Hornhaut schützt deine Hände. Problematisch wird sie erst, wenn sie zu dick und uneben wird. Glätte sie deshalb regelmäßig, zum Beispiel nach dem Duschen mit einem Bimsstein, statt sie komplett abzuschleifen. Knibbeln an der Hornhaut schwächt die gesunde Haut darunter und solltest du lassen.
2. Hände nach dem Training eincremen
Wasch dir nach jedem Training Magnesia und Schweiß von den Händen und creme sie ein. Elastische Haut reißt weniger leicht als trockene, spröde Haut. Viele Turnerinnen cremen zusätzlich abends vor dem Schlafen ein.
3. Magnesia gezielt dosieren
Magnesia bindet Feuchtigkeit und sorgt für sicheren Griff. Zu viel davon kann die Haut aber austrocknen. Nimm so viel, wie du für deinen Griff brauchst, nicht mehr. Ein Magnesia-Mix aus Pulver und gröberen Stücken wie unser Crunchy Chalk lässt sich gut dosieren und gleichmäßig verteilen. Mehr zur Anwendung findest du in unserem Beitrag Magnesia im Turnen.
4. Auf Warnsignale hören
Eine heiße, gerötete Stelle oder eine beginnende Blase ist das erste Zeichen. Wenn du das spürst, mach eine kurze Pause oder wechsle für den Rest der Einheit an ein anderes Gerät. Ein paar Schwünge weniger heute ersparen dir oft mehrere Tage mit offener Hand.
5. Belastete Stellen schützen
Turnriemchen verringern die direkte Reibung an der Stange. Damit sie fest sitzen, nutzen viele Turnerinnen und Turner darunter eine Haftbandage. Unsere Haftbandage ist genau dafür entwickelt: als Einweg-Unterlage unter Turnriemchen an Reck, Ringen und Stufenbarren. Für einzelne Finger oder kleine Stellen eignet sich schmales Tape wie unser Fingertape (2,5 cm), das auch zum Schutz stark beanspruchter Hautstellen gedacht ist.
Fetzen passiert: So versorgst du ihn richtig
- Training an diesem Gerät beenden. Weiterturnen reißt die Wunde meist größer.
- Magnesia und Schmutz abwaschen. Mit klarem Wasser und milder Seife. Ja, das brennt kurz.
- Lose Haut nicht abreißen. Ziehen reißt die Haut oft tiefer in gesundes Gewebe ein. Hängende, lose Hautränder vorsichtig mit einer sauberen, desinfizierten Schere abschneiden.
- Desinfizieren. Mit einem Wundantiseptikum aus der Apotheke.
- Abdecken. Mit einem Blasenpflaster (Hydrokolloid) oder einer sterilen Wundauflage. Ein feuchtes Wundmilieu unterstützt die Heilung.
- Feucht halten, nicht austrocknen lassen. Trocknet die neue Haut aus, reißt sie leicht wieder auf. Viele Turnerinnen tragen abends eine Wund- und Heilsalbe auf und ziehen über Nacht eine dünne Socke oder einen Handschuh über die Hand.
Wichtig: Ist eine Blase noch geschlossen, lass sie möglichst zu. Die intakte Blasenhaut ist der beste Schutz vor einer Infektion.
Was du lieber nicht auf die offene Stelle gibst
Alkoholhaltige Mittel reizen offene Haut. Das gilt auch für Liquid Chalk: Unser Liquid Chalk enthält Alkohol und brennt deshalb in offenen Rissen. Solange der Fetzen nicht verheilt ist, nutze an dieser Hand lieber Pulver-Magnesia auf der intakten Haut und halte die Wunde abgedeckt.
Weitertrainieren mit Fetzen: geht das?
Bei einem frischen Fetzen ist ein bis zwei Tage Pause vom Barren, Reck oder den Ringen der schnellste Weg zurück. Bodenturnen, Sprung oder Krafttraining ohne Griffbelastung sind oft weiter möglich. Sprich das mit deiner Trainerin oder deinem Trainer ab.
Steht ein Wettkampf an und du musst an die Stange, schützt du die Stelle so:
- Wunde reinigen und mit einer dünnen Wundauflage oder einem Blasenpflaster abdecken
- Die Auflage mit Sporttape fixieren, nicht das Tape direkt auf die offene Wunde kleben
- Darüber wie gewohnt Haftbandage und Riemchen
Für empfindliche Haut kann ein Underwrap als Schicht zwischen Haut und Tape sinnvoll sein. Es ist laut latexfrei und hypoallergen. Wie du Finger sauber tapest, zeigen wir dir in der Anleitung zum Finger tapen.
Unser Tipp aus der Halle
Wenn mehrere Fetzen auf einmal aufgehen, machen wir über Nacht eine Handkur: Hände dick mit Hirschtalgcreme oder einer ähnlich reichhaltigen Creme eincremen und dünne Baumwollhandschuhe drüberziehen. So bleibt die Creme an den Händen statt im Bettzeug, und die Haut ist am nächsten Morgen wieder geschmeidig. Unsere Erfahrung: So sind die Hände deutlich schneller wieder fit fürs Training.
Wichtig: Auf frische, offene Stellen gehört keine normale Creme, sondern eine Wund- und Heilsalbe. Die Hirschtalgcreme kommt auf die intakte Haut drumherum.
Wann solltest du zum Arzt?
Die meisten Fetzen heilen ohne Probleme. Lass die Stelle ärztlich anschauen, wenn du Anzeichen einer Infektion bemerkst:
- zunehmende Rötung oder Schwellung über den Wundrand hinaus
- Eiter oder gelblich-grüne Flüssigkeit
- Schmerzen, die stärker werden statt besser
- rote Streifen, die von der Wunde ausgehen, oder Fieber (dann sofort)
Häufige Fragen zu Fetzen beim Turnen
Soll ich einen Fetzen abreißen oder abschneiden?
Nicht abreißen. Lose, hängende Hautränder schneidest du vorsichtig mit einer sauberen, desinfizierten Schere ab. Eine noch geschlossene Blase lässt du möglichst intakt.
Wie lange dauert es, bis ein Fetzen verheilt ist?
Das hängt von der Tiefe ab. Für geöffnete Blasen nennen Wundratgeber etwa 7 bis 14 Tage, bis die Haut vollständig verheilt ist. Wieder belastbar ist die Stelle oft schon früher, wenn sie abgedeckt und feucht gehalten wird.
Helfen Turnriemchen gegen Fetzen?
Riemchen verringern die direkte Reibung an der Stange und werden deshalb im Gerätturnen genutzt, um die Hände zu schützen. Neue Riemchen müssen aber eingeturnt werden. Kurz vor einem Wettkampf neu damit anzufangen, ist keine gute Idee.
Sollte ich meine Hornhaut ganz entfernen?
Nein. Hornhaut schützt deine Hände. Halte sie glatt und gleichmäßig, damit sie nicht an der Stange hängen bleibt.
Kann ich mit einem Fetzen Liquid Chalk benutzen?
Auf der offenen Stelle besser nicht. Liquid Chalk enthält Alkohol und brennt in Wunden. Nutze es erst wieder, wenn die Haut geschlossen ist.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei tiefen, stark blutenden oder entzündeten Wunden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.